
7.8.2010, 24.000 Schwarze Seelen pilgerten nach Drispenstedt um 2 Tage lang auf dem „Vollmond“-Festival zu feiern.
Das Mera Luna Festival, welches wie jedes Jahr am Flughafen Hildesheim stattfand, war auch 2010 wieder gut besucht. Neben einem sehr guten Line Up und den Headlinern The Sisters of Mercy und Placebo gab es mit der Hangar-Disco, Shops und Merchandiseständen sowie einem kleinen Mittelalter-Dorf genug um 2 Tage zu verbringen.
Die erste schlechte Nachricht kam aber bereits vor Beginn des Festivals: Da vermehrt gefälschte Karten von CTS/Eventim aufgetaucht sind wurde der Verkauf eingestellt. Dies wurde aber auf der Homepage bekannt gegeben und direkt darauf hingewiesen, dass Besucher mit solch einem Ticket dies bei Festival betreten überprüfen lassen müssen.
Die Anreise am 6.7. fand ohne Probleme statt. Trotz eines leider nicht sehr gut ausgeschilderten Wegs, ließ sich der Flugplatz leicht finden. Mehrere Parkanweiser sorgten dann für ein gutes Platzieren der Autos und ebenfalls die Ausgabe der Bändchen fand ohne Wartezeit statt. Neben diesem bekam man auch einen Müllchip und Mülltüten. Diese konnte man nach dem Festival zurück geben und bekam dafür 5€ erstattet. 6 Zeltgelände und ein extra Platz für Wohnmobile boten genug Platz für alle Zelte die frei, nur durch abgesperrte Wege, aufgestellt werden konnten. Nachdem dies erledigt war konnte man auch bereits in der Hangar-Disco feiern gehen. Nach einer kleinen Wartezeit kam für viele Besucher der erste Schock: 4€ Eintritt und Nieten waren in der Disco verboten. Ich selbst wurde wegen 6 1cm langer Nieten an den Stiefeln abgewiesen… Zum Glück war allerdings auf dem Zeltplatz mehr als genug Party. Ein Zelt welches recht Zentral lag bot, mit einer recht guten Anlage, die Möglichkeit zu Tanzen. Geschätzte 100 Leute nahmen dies auch permanent wahr. Neben Gothic, Rock und Darkwave wurde auch Mittelalter und Sanfter Electro gespielt. Als ich um 4 das Zelt verlies wurde dort immer noch gefeiert.
Der erste Festivaltag begann um 11 Uhr. Der dies jährige Opener war Unzucht, eine Band aus Hannover, die durch das Newcomer Voting bestimmt wurde. Zwar war der Platz vor der Bühne noch wenig besucht, jedoch machte die Band viel Stimmung und eine gute Show. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Besucher sah man in der 2ten Hälfte viele mitklatschen und Tanzen.
Für mich ging es um 12 Uhr weiter mit Leandra. Diese Spielten auf der Hangar-Stage in einer der Flugplatz Hallen. Sehr gediegen und teils sehr ruhig konnte man sich da von einer sanften Stimme berauschen lassen. Neben 3 Pianostücken, welche die Sängerin solo spielte, überraschte Sie beim Lied „Eyes shut burn“ durch einen metalähnlichen Gesang und tiefes Growlen.
Währenddessen sorgte Rabenschrey auf der Hauptbühne mit Metalalter für Stimmung. Neben ihren Hits präsentierten Sie auch 2 Stücke aus ihrem neuen Album. Obwohl Sie diese angeblich nur 2-mal geprobt haben lief alles pannenfrei.
Um 13:15 sollte eigentlich Qntal im Hangar spielen. Sie entschuldigten sich jedoch mit den Sätzen: „Liebe Freunde und Fans von Qntal, leider müssen wir das Konzert auf dem Mera Luna absagen. Grund ist der Bänderriss mit Knochenabsplitterung den sich Michael auf der Castle Party in Bolkow am vergangenen Wochenende zugezogen hat, nachdem er vor einer Horde hungriger Wölfe fliehen musste;-). (Die Wölfe haben wir neben dem Krankenhaus gesehen, in dem Michael seinen Gips bekommen hat. Zum Glück saßen wir im Auto). Wir wünschen euch trotzdem ein schönes Festival und freuen uns euch beim nächsten Konzert zu sehen." Ersatz wurde in Form von Ignis Fatuu, einem klassischen Vertreter des Mittelalterrocks und einer feste Größe im fränkisch-nordbayrischen Raum gefunden. Nachdem am Anfang die Halle sehr leer war, füllte sie sich zunehmend, war am Ende gut Besucht und die Stimmung auf hohem Feierniveau.
Direkt im Anschluss kam Illuminate auf die Bühne, welche ein kleines Jubiläum hatten. Zum 5ten mal spielten Sie auf dem Mera Luna. Trotz einer dezenten Bühnenshow war das Publikum begeistert und tanzte und sang bei alten und neuen Stücken mit.
Nach einer kleinen Pause fand ich mich um 15:45 an der Hauptbühne ein, welche mittlerweile gut besucht war. Als traditionell russischer Gesang ertönte und dabei Alexander Kaschte auf die Bühne trat war die Menge kaum zu halten. Samsas Traum gaben von Anfang an volle Power und im Publikum waren fast alle arme permanent oben. 13 Jahre lang dagegen und Stücke aus fast jedem Album, dies war eine Mischung welche sehr gut ankam.
Dann hieß es für mich erst mal Grillen. Dies wurde zwar im Vorfeld verboten, jedoch bekam man auf Nachfrage beim Veranstalter eine Genehmigung dafür. Für alle anderen standen Grillstellen im Mittelalter Dorf zur Verfügung.
Um 20 Uhr ging es dann zurück aufs Festival Gelände. Hier gab es immer noch sehr wenig Wartezeit und die Kontrollen waren teils sehr lasch. Nachdem ich bestätigt habe das in meiner Tasche nur Handy, Zigaretten, Block und ein verschlossenes Tetrapack ist wurde ich durchgelassen ohne genaues nachschauen.
Für mich ging es dann direkt durch zur Hangar-Stage wo sich Eluveitie mit authentischer, keltischer Folkmusik, kombiniert mit modernem Melodic Death Metal (Sie selbst sagten dazu Folkmetal) angekündigt hatten. Nach einem ruhigen Anfang bildete sich recht schnell ein gut besuchter Moshpit. Gefolgt wurde dieser von einem Circelpit, wo die Band vorher meinte: „Wir wissen nicht ob wir dies bei so vielen Gothics machen können…“. Anschließend gab es dann noch nach Aufforderung des Publikums eine Wall of Death.
Co Headliner des Samstag abends war der Graf von Unheilig. Dieser Spielte von 21-22:15 auf der Mainstage. Neben den Liedern des aktuellen Albums waren mit Maschine, Freiheit und ein paar anderen aber auch ältere Lieder vertreten. Dabei war zu beobachten, dass einige Zuschauer nur die neueren Texte kannten.
Headliner an diesem Abend waren The Sisters of Merci. Diese beeindruckten durch eine aufwendige Licht und Nebelshow. Größtenteils war so viel Nebel auf der Bühne, dass man die Band nicht mehr sehen konnte. Ebenfalls fiel auf, dass die Band auf die Bühne kam, ein Lied nach dem anderen spielte und wieder runter ging, ohne ein einziges Wort zum Publikum zu sagen, sich zu bedanken oder ähnliches.
Zum Abschluss des Abends ging es dann wieder zur Hangar-Disco, wo an diesem Abend weniger strickt sortiert wurde und man auch mit kleineren Nieten rein kam. Hier wurde dann zu gemischter Musik gefeiert, wobei das Elektronische überlagerte. Nachdem ich ca. eine Stunde dort war ging es dann wieder zu dem Zelt, an dem auch am Vorabend die größte Party war und es wurde noch bis in den frühen Morgen getanzt.
Am Sonntag lies ich es dann etwas ruhiger angehen. Nach ausgiebigem Frühstück (2 Kannen Kaffee) ging es duschen. Diese waren trotz des größeren Ansturms immer noch sauber und auch die Wartezeit hielt sich mit 7min in Grenzen. (Auf Damenseite sah die Wartezeit leider nicht so gut aus.)
Meine erste Band am Sonntag war gegen 15 Uhr Saltatio Mortis. In gewohnt guter Manier begeisterten Sie das Publikum mit neuen und alten Stücken. Im Vergleich zu Samstag waren zu diesem Zeitpunkt auch schon mehr Leute an der Bühne, die ausgelassen feierten.
Für Gothic-Rock sorgte danach dann die, aus Skandinavien kommende, Band The 69 Eyes. Hier war die Bühne etwas weniger besucht als bei Saltation Mortis, welches daran gelegen haben kann, dass parallel dazu Agonoize im Hangar spielten.
Die aus England stammende Band Editors trat dann um 17:45 auf. Mit gelegentlichen Klaviereinlagen und sattem Gitarrensound trumpften sie auf. Besonders hervorzuheben ist hier die Bühnengestik des Sängers Tom Smith. Diese erinnerte irgendwie an eine Mischung aus Drogenwahn und Alkoholexzess, wobei er keinen Einsatz verpasste. Lediglich das Micro musste einmal ausgetauscht werden und der Microphonständer landete einige Male auf dem Boden.
Während im Hangar noch Skinny Puppy für Stau im Eingang sorgten, ging es auf der Mainstage mit In Extremo, dem 2tn Co-Headliner weiter. Mit riesigem Applaus wurde der Sänger „Das letzte Einhorn“ empfangen. Sie starteten auch direkt durch mit einer aufwendigen Bühnenshow, die durch Explosionen und Feuerfontänen begleitet wurde. Selbst in der Mitte der Freiluftfläche wurde es so noch angenehm warm. Bei den bekanntesten Liedern gab es dann auch kein Halten mehr in der Menge und es wurde gesprungen, getanzt und mitgeschriehen. Zum Ende hin wollten InEx noch eine spanische Zugabe spielen, diese wurde ihnen zwar zuerst zugesichert und angekündigt, musste dann aber aus Zeitgründen abgesagt werden.
Abschluss des Abends machte dann der Headliner Placebo. Nachdem Sie das erste Lied gespielt hatten störte den Sänger der Kameraarm am Bühnenrand. Mit einem beherzten Schups landete dieser im Bühnengraben, sehr zum Leid des Kameramanns der beim Rettungsversuch fast mit fiel. Nach dem 2ten Lied dann meldete sich der Sänger auf Deutsch beim Publikum: „Hallo, wir sind Placebo aus England. Keine Sorge, wir kommen in Frieden.“ Dies wurde mit großem Applaus kommentiert und die Show ging weiter. Im Verlaufe des Auftritts gab es noch mehrmals Ansagen auf Deutsch, die trotz Akzent gut verständlich waren. Meinen Respekt dafür!
Auch an diesem Abend ging es dann wieder auf dem Zeltplatz weiter. Traditioneller Abschluss des Mera Lunas ist das so genannte „große Trommeln“. Dabei finden sich jede Menge unmusikalische Menschen zusammen und trommeln auf irgendwelchen Dosen, Fässern oder Plastikbehältern rum. Neben vielen Einwegflaschen und 5ltr Dosen wurde auch eine Rollmülltonne benutzt.
In der Summe der Trommler ergab sich so etwas, was als Musik nicht bezeichnet werden kann, aber doch Rhythmus hatte. Nebenan wurde wieder am Zelt getanzt, gefeiert und dem Mond ein "Schrein" gebaut. Selbst das Lagerfeuer, welches beim Trommeln entfacht wurde ist von den Ordnern geduldet worden und so wurde aus dem großem Trommeln ein langes Trommeln bis ca 4/5 Uhr morgens.
Nach einer dann wieder recht kurzen Nacht hieß es am Morgen früh auf stehen da der Zeltplatz um 10 Uhr geräumt sein sollte. Das ausgerechnet da Regen kommen musste trübte die Stimmung wenig und so schallten immer wieder rufe mit „Gute Laune“ über den Platz. Die Müllrückgabe verlief sehr gut, keine Wartezeit, man bekam seine 5€ und konnte erschöpft das Gelände verlassen.
Zum Abschluss bleibt mir dann nur noch ein kleines Feedback übrig:
Das ganze Festival war super! Obwohl die Stände teils überteuert waren und man für Röcke, die im Laden 30€ kosten, dort 50€ bezahlen durfte war es schön zu erfahren womit man sich alles kleiden kann. Es waren viele Besucher da die sich teils sehr gut und Edel, teils aber auch sehr schrill gekleidet haben. Zu meinem absoluten Lieblingsshirts gehört aber eins, welches ich abseits des
Unheilig Auftritts entdeckt hab: „Ich fand den Grafen schon schieße bevor es Cool wurde.“ (Bildquelle:forum.meraluna.de)
Die Bands waren fast ausnahmslos super, nur von den Sisters bin ich persönlich sehr enttäuscht. Obwohl ich Unheilig sehr gut finde und auch seine Musik mag, kann er sich meiner Meinung nach das alberne Handgewackele auf der Bühne sparen. Besonders gefreut habe ich mich auf Illuminate und Samsas Traum, die Highlights waren allerdings InEx und Eluveitie. Ignis Fatuu ist mein Geheimtipp für euch, die solltet ihr euch anhören, ansehen oder whatever. Ein riesen Kompliment kann ich an die Veranstalter geben, die das Festival super organisiert haben! Lediglich das Nietenverbot fand ich lächerlich. Mein Ticket für nächstes Jahr ist schon fest geplant und mit ASP als ersten bestätigten Headliner bin ich mir sicher, dass das Mera Luna 2011 vom 13.8.-14.8.2011 ein voller Erfolg werden wird!!!





